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Bürgermeisterwahl Bad Pyrmont – Vorstellung der Kandidaten Teil 2

Wir haben den vier Kandidaten und Kandidatinnen für das Bürgermeisteramt in Bad Pyrmont 37 Fragen geschickt. Jeden Tag gibt es hier auf Emmerzon die Antworten jeweils zu einen Schwerpunktthema.

Die Antworten von Rainer Timpe findet Ihr in einem separaten Beitrag.

Hier die Antworten Teil 2:

Bad Pyrmont heute und morgen

Was macht Bad Pyrmont für Sie einzigartig?

Böhnke: Die Lage der Stadt mit ihren Heilquellen, der historischen Innenstadt mit Schloß und Kurpark und die Natur um uns herum. Bad Pyrmont ist einfach schön!

Grages: Bad Pyrmont hat für mich ein ganz besonderes Flair und besondere Lebensqualität. Die Lage unserer Stadt umgeben von Wald, die Ruhe und die Natur, dazu der Kurpark und die Palmen mitten im Weserbergland – diese Kombination ist einzigartig. Bad Pyrmont hat ein großes Freizeitangebot, tolle Vereine, vielfältige Sportangebote und Sportstätten, Hufeland-Therme und Schwimmbad. Dazu unsere Ortsteile die mit ihrem dörflichen Charakter und ihrer Gemeinschaft eine ganz andere, aber ebenso besondere Seite Bad Pyrmonts bilden.

Muschter: Dass Bad Pyrmont es in den vergangenen fast 500 Jahren immer wieder geschafft hat, sich neu zu erfinden und dabei dem Heilwasser als Grund unserer Existenz immer treu geblieben ist. Das mediterrane Flair, die vielen Alleen und die Anlagen der Hauptallee und Brunnenstraße als zwei große Fußgängerzonen in einer so kleinen Stadt sind einzigartig. Dass man von jedem Hügel auf die andere Seite des Tals sehen kann. Die Schönheit der Landschaft der Bergdörfer und die Vielfalt, hier mit Landwirtschaft und Global Playern auf der einen und Kurbetrieb auf der anderen Seite, mitten im Weserbergland. Die unglaubliche Geschichte der Stadt: der Brunnenfund (einer der bedeutendsten Opferfunde der Frühzeit in Mitteleuropa), das Wundergeläuf als erster Touristen-Run auf Pyrmont, die Hauptallee und die Palmen.

Wo sehen Sie die größte Stärke der Stadt – und wo den dringendsten Handlungsbedarf?

Böhnke: Die größte Stärke der Stadt liegt in ihren gewachsenen Strukturen, der Innenstadt, dem Staatsbad, ihrer Infrastruktur und den Menschen, die hier wohnen, leben und arbeiten. Der dringendste Handlungsbedarf, den die Stadt selber steuern kann liegt im Bereich des Stadtumbaus. Wir müssen den Leerstand beseitigen und Bad Pyrmont zwar weiterhin als Kur- und Tourismusstandort ausbauen, aber Bad Pyrmont auch als Wohnstandort gestalten. Hierfür müssen wir die Umwandlung ehemaliger touristisch genutzter Gebäude zu Wohnzwecken fördern und die Aufenthaltsqualität im öffentlich Raum unter Berücksichtigung der Erfordernisse des Klimawandels verbessern. Weiterhin brauchen wir eine zuverlässige Betreuung unserer Kinder und Schulen, an denen moderner Unterricht möglich ist. Die Stadtverwaltung muss digitalisiert werden, die Wirtschaftsförderung und das Fördergeldmanagement ausgebaut werden und die Verwaltung als Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Institutionen funktionieren.

Grages: Unsere größte Stärke ist das enorme Potenzial, das Bad Pyrmont als Gesundheits-, Kur- und Tourismusstandort mitbringt. Dazu kommen eine gute Bildungslandschaft, engagierte Menschen und eine hohe Lebensqualität. Den dringendsten Handlungsbedarf sehe ich darin, dieses Potenzial endlich konsequenter zu nutzen: Wir brauchen mehr Investitionen in unsere Infrastruktur, eine stärkere wirtschaftliche Entwicklung und mehr Geschwindigkeit bei der Umsetzung wichtiger Projekte.

Muschter: Bad Pyrmont hat unglaubliche Möglichkeiten – 19 Quellen, Heilbadstatus über Wasser und Moor. Wir haben einzigartige Naturwunder, tolle (teils bedürftige) Architektur, ein breites kulturelles Angebot. Allerdings müssen wir die Lebensqualität wieder erhöhen – die Schlaglöcher beseitigen, Straßen, Fahrrad- und Gehwege besser nutzbar machen und die Busverbindungen verbessern – denn nur mit insgesamt besserer Infrastruktur sind wir für die Zukunft gewappnet. Wir haben unendlich viel Glück, dass das Grand Hotel wiedereröffnet und wir müssen unsererseits dafür sorgen, dass unsere Gäste, unsere Besucher einen Ort vorfinden, der sie in einen erholsamen Kurzurlaub mitnimmt. Alle Übernachtungsbetriebe brauchen für die Gäste Unterhaltung, Restaurants, Läden und Erholung, das können wir bieten, die Stadt muss aber viel sauberer werden. Wir haben zwei solche Forschungsergebnisse für Pyrmont, 2019 und 2024, aber kaum einer kennt sie: https://badpyrmont.ratsinfomanagement.net/webservice/oparl/v1.1/body/1/files/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZVhbRxUwe6Z1td1H7ffciUpGmf0UA3gzRounMlqsOCJy/dwif-Wirtschaftsfaktor_Tourismus_fuer_Bad_Pyrmont_2024_-_Praesentation.pdf

Und wir brauchen mehr kostenlose Parkplätze für die Besucher, aber auch für Arbeitnehmer. Wir haben jeden Tag über 4500 Einpendler nach Pyrmont. Wir erleben jeden Tag in den Seitenstraßen um die Innenstadt, wie viele Pendler und Kliniksgäste dort parken. Wir haben mit Kino, Schwimmbädern, Sport jeder Art, Museum, Theater und Konzerten ein großes Angebot für unsere Einwohner, Kurgäste und Besucher. Das ist unser großer Vorteil. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, aber wieder in Schwung bringen. Das Konzerthaus hat immer noch eine Betriebsgenehmigung, deshalb haben wir dem Grand Hotel ein Konzept vorgelegt, wie das Konzerthaus schnell wieder eröffnen kann. Es kommt darauf an, dass wir für Kongresse, Abschlussbälle und andere große Veranstaltungen wieder einen Standort unter Dach haben. Dafür haben wir den Konzerthausverein gegründet. Das Kurtheater wird noch etwa 4 Jahre brauchen, bis es nutzbar ist. Dabei ist auch noch zu klären, ob die BPT denn tatsächlich umziehen soll, das muss finanziell und über die Sinnhaftigkeit abgeklärt werden. Die großen internationalen Firmen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Durch sie sind wir weltweit bekannt, das kann man sicherlich im Marketing noch ausbauen. Denn wenn wir als lebenswerte Stadt auftreten können, fällt neuen Mitarbeitern der Wechsel hierher leichter. Der dringendste Handlungsbedarf liegt in der Herderschule und der Max-Born-Realschule. Die Schulen müssen fit für die Zukunft werden. Aber auch in den Sporthallen und der Stadionanlage ist vieles im Argen. Wenn ich sehe, wieviel Geld hier jedes Jahr für Planungskosten und Machbarkeitsstudien verschleudert wird, würde ich lieber mehr für unsere Bürger ausgeben. Der dringendste Handlungsbedarf sind die Schlaglöcher, Rad- und Gehwege, die müssen gemacht werden. Mehr Bänke für unsere älteren Bürger. Die Bürgersteige müssen wir an den Straßenübergängen absenken, damit wir Barrierefreiheit erreichen können, für Rollator wie für Kinderwagen. Ohne sichere Fahrradwege geht es nicht, die kann man durch Kennzeichnung kostengünstig und schnell anlegen. Zebrastreifen brauchen wir an Übergängen wie dem Brunnenplatz, aber auch an der Schulstraße, Erdfällenstraße, Stadtbibliothek. Wir alle brauchen sichere Übergänge, überall. Wir brauchen mehr Sauberkeit, auch mehr Mülleimer. Und den Entsorgungsplatz des Landkreises für Altkleider hier im Ort, statt der Container. Ich brauche keinen Dienstwagen. Das Geld möchte ich in einen Heißwasser-Unkrautvernichter investieren, wie ihn auch Bad Arolsen hat. Diese Maschine kann man nicht nur auf den Straßen, sondern auf Friedhöfen, Sportplatzen und anderen Grünflächen einsetzen. Die vielen Leerstände kommen unter Nr. 9 und 19

Welche Entwicklung in Bad Pyrmont bereitet Ihnen Sorge?

Böhnke: Das viele der Einwohnerinnen und Einwohner nur noch das Schlechte dieser Stadt sehen wollen, nicht mehr stolz auf Bad Pyrmont sind und ihr Bild nach Draußen tragen.

Grages: Sorge bereitet mir weniger eine einzelne Entwicklung als die Tendenz, Bad Pyrmont häufig schlechter zu reden, als es ist. Natürlich müssen wir Probleme offen ansprechen – aber wir dürfen dabei unsere Stärken und Chancen nicht aus dem Blick verlieren. Unsere Bevölkerung wächst, Bad Pyrmont ist gerade auch für das dritte Lebensalter attraktiv und hat enormes Potenzial. Ich möchte, dass wir wieder mit mehr Selbstbewusstsein und Zuversicht auf unsere Stadt und ihre Zukunft schauen.

Muschter: Die abnehmenden Besucherzahlen machen mir Sorge. Die beiden Gutachten des DWIF von 2018 und 2024 haben einen klaren Abwärtstrend gezeigt, da müssen wir mit breit angelegter Werbung gegenarbeiten. Dazu brauchen wir zugkräftige Veranstaltungen wie die Schlagerfestivals von Helga Hilpert, das Kleine Fest und neue Formate. Der Zustand der alten Gebäude darf nicht schlimmer werden, im Gegenteil. Als Bürgermeisterin kann ich die Eigentümer der Denkmäler anschieben, ihre Gebäude zu erhalten. Denn mit Unterstützung aus dem Rathaus kann die Untere Denkmalschutzbehörde Ersatzvornahmen androhen und die auch durchziehen. Das bedeutet, die Eigentümer bekommen drei Aufforderungen und dann eine Frist für die Arbeiten. Passiert dann nix, kann das Amt die Arbeiten anordnen und der Eigentümer muss zahlen oder es wird ins Grundbuch eingetragen. Das Rechtsverständnis im Rat, das Verschieben von Anträgen und das Nichtbeantworten von Fragen in Einwohnerfragestunden, nicht mal hinterher schriftlich. Das fehlende Verständnis im Rat für die katastrophale finanzielle Lage der Stadt. „Alle Städte sind pleite“ ist kein Grund, um Planungen stumpf durchzuziehen und die Schulden der nächsten Generation zu überlassen.

  1. Dass der Beschluss über die Neuanlage von Ersatzparkplätzen von 2017 immer noch nicht umgesetzt ist. Das wäre damals wesentlich billiger gewesen als heute.

Wie soll Bad Pyrmont im Jahr 2035 aussehen? Beschreiben Sie ein möglichst konkretes Bild.

Böhnke: Das Grandhotel, das Kurtheater und der Kaiserhof sind in Betrieb. Die Häuser in der Schlossstraße und in der Innenstadt sind zu Wohngebäuden umgebaut worden. Der Leerstand ist deutlich weniger im Stadtbild sichtbar. Die Herder- und Realschule wurden baulich für moderne Unterrichtsmethoden entwickelt. Das Gymnasium ist weiterhin ein Leuchtturm der modernen Bildung. Die Südhalle wurde neu gebaut, das Stadiongelände mit einem Kunstrasenplatz und einem Generationenbewegungspark erweitert, Oesdorfer- und Bahnhofshalle sind saniert. Bad Pyrmont hat wieder mehr als 20.000 Einwohnerinnen und Einwohner und die Übernachtungs- und Besucherzahlen steigen kontinuierlich an.

Grages: 2035 wünsche ich mir ein Bad Pyrmont, in dem wieder mehr als 20.000 Menschen leben und das mit zu den führenden Gesundheits- und Kurstandorten Deutschlands gehört. Eine lebendige Innenstadt mit weniger Leerständen, neue Übernachtungsmöglichkeiten, ein attraktiver Gesundheitsstandort, moderne Schulen und Sportstätten sowie sanierte Straßen, Wege und öffentliche Gebäude. Unsere Ortsteile sollen lebendig bleiben, Familien gute Bedingungen vorfinden und unsere historische Kurstadt soll ihre besondere Geschichte mit modernen Angeboten verbinden. Vor allem möchte ich, dass die Menschen 2035 sagen können: In Bad Pyrmont hat sich sichtbar etwas bewegt.

Muschter: Im Winter mit Eisbahn und Weihnachtsmarkt, im Sommer als Oase unter Palmen, im Frühjahr und Herbst mit Kunst und kulturellen Veranstaltungen, Kongressen, um die schwächere Besuchszeit mit regelmäßigen Events zu füllen. Abschlussbälle im Konzerthaus. Keine Schlaglöcher mehr, die beiden Schulen und Sporthallen sind fertig. Gute Ärzteversorgung, Leerstände sind verringert. Alle Unternehmen haben einen kurzen Draht zum Rathaus. Man kann vor der Südhalle auch im Winter draußen Fußball spielen. Verlässlichere S-Bahn, dazu bessere Busanbindung in allen Ortsteilen bis in die Bergdörfer. Es gibt einen ‘Schulbus’ für unsere Fahrschüler zu den Berufsschulen in Hameln.

Was muss geschehen, damit junge Menschen gern in Bad Pyrmont leben, lernen und arbeiten möchten?

Böhnke: Zunächst müssen wir jungen Menschen Räume bieten, in denen sie sich wohl fühlen und frei bewegen können. Es muss bezahlbaren Wohnraum geben, die öffentliche Infrastruktur muss familienfreundlich sein. Kinderbetreuung und Schulen müssen gut funktionieren. Und natürlich brauchen wir attraktive Arbeitsplätze und eine gute Anbindung an den ÖPNV für Berufspendler.

Grages: Junge Menschen brauchen Perspektiven. Dazu gehören gute Schulen und Ausbildungsangebote, attraktive Arbeitsplätze, bezahlbarer Wohnraum, Mobilität und Orte für Freizeit, Sport und Begegnung. Entscheidend ist aber auch, junge Menschen ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und sie bei den Entscheidungen einzubeziehen, die ihre Zukunft in unserer Stadt betreffen.

Muschter: Können Sie sich noch an Tchibo erinnern? Jeden Samstag trafen sich dort alle jungen Leute auf der Brunnenstraße. Es gibt heute nichts, kein Café/Treffpunkt für junge Leute, wo bezahlbare Getränke verkauft werden, kein Alkohol, damit auch junge Leute unter 16 sich dort treffen können. Wir überlassen die jungen Leute den Supermärkten und Tankstellen, das ist nicht wirklich gut. Die intakten Schulen sind wichtig, aber auch die Aus- und Weiterbildung in Bad Pyrmont können wir ausbauen. Mit den großen Firmen, auch in Lügde, ist das Pyrmonter Tal gut aufgestellt; wir müssen die Möglichkeiten für Ausbildungen vor Ort hier mehr in den Mittelpunkt stellen. Die gute Zusammenarbeit zwischen Firmen und Schulen möchte ich weiter unterstützen. Es gibt auch keine Disco mehr hier. Ein Nachtbus wäre sinnvoll, der zu den angesagten Läden in der Umgebung fährt und dann nachts auch wieder zurück nach Pyrmont. Wir haben von jungen Leuten die Anfrage nach Sportmöglichkeiten ohne Verein, das ist wichtig. Wir haben eine Möglichkeit gefunden, z.B. eine Boxhalle zu schaffen, unter Aufsicht, damit sich manche jungen Leute austoben können. Die Bolzplätze müssen bleiben. Lieber am Bahnhofsvorplatz sparen als an Sportplätzen. Bessere Busanbindungen sind für junge Leute wichtig. Schüler der Berufsschulen müssen viel Geld für die Busfahrkarten ausgeben. Dann muss der Bus aber auch wirklich fahren. Der Standortnachteil zu Hameln darf nicht zu Lasten der Schüler gehen.

Wie kann Bad Pyrmont für Familien, Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit Behinderungen noch lebenswerter werden?

Böhnke: Die Lebensqualität muss stimmen, dass bedeutet wir brauchen eine funktionierende ärztliche Versorgung, eine gute öffentliche Infrastruktur, Betreuungsangebote und Begegnungsstätten als Treffpunkte für Jung und Alt. Ein funktionierendes Vereinsleben, auch hier wieder mit der erforderlichen Infrastruktur an Räumen und Plätzen, die an die Anforderungen des Klimawandels angepasst sind, Stichwort Hitzeschutz und Starkregenversorgung.

Grages: Lebensqualität beginnt im Alltag. Familien brauchen verlässliche Kinderbetreuung, gute Schulen und Freizeitangebote, ältere Menschen gute Erreichbarkeit, Begegnungsmöglichkeiten und Unterstützung, und für Menschen mit Behinderungen müssen Barrieren konsequent weiter abgebaut werden. Barrierefreie Wege und Gebäude, gute Mobilität, medizinische Versorgung und eine funktionierende Infrastruktur kommen dabei nicht nur einzelnen Gruppen zugute – sie machen Bad Pyrmont für alle Generationen lebenswerter.

Muschter: Bessere Ärzteversorgung: Wir haben den Augenarzt hierhergeholt, da geht noch mehr. Wir (INTAKT) möchten ein städtisches MVZ gründen, damit junge Ärzte hierherkommen, die heute keine teuren Praxen mehr selbst finanzieren können. Diese jungen Ärzte suchen ein Angestelltenverhältnis. Werbung für solch ein MVZ kann man online über Arztzeitschriften, die KV und Kongresse schalten. Barrierefreie Gehwege, mehr Raum für Rollstühle und Kinderwagen auf den Gehwegen. Die taktilen Leitelemente für Menschen mit Sehbehinderungen müssen in unserer Stadt nachgebessert werden. Mehr Ampeln, z.B. die an der BPT, müssen mit einem Tonsignal ausgestattet werden. Es sind immer Kleinigkeiten, aber die haben sich in den vergangenen 12 Jahren summiert. Wir brauchen mehr öffentliche Toiletten für Menschen mit Behinderungen, Familien und Seniorinnen und Senioren. Das ist auch für die Heilbäderprädikatisierung zwingend notwendig. Für alle taucht hier sicher wieder die Frage nach Busfahren mit der PyrmontCard auf. In der Nordstadt fahren die Busse am Wochenende überhaupt nicht. Das wollen wir ändern. Die Haltestelle an der Parkresidenz muss nach dem Fahrplanwechsel 2027 unbedingt erhalten bleiben. Auch Friedhöfe sind ein Thema. 10 Friedhöfe haben wir im Ort, alle haben unterschiedlichen Charakter. Das muss so bleiben. Es geht immer auch um Kosten, wir müssen unsere Friedhofsgebühren senken und sollten mehr alternative Bestattungen anbieten. Ganz wichtig, auch auf teil- und anonymen Urnenfeldern muss man Doppel-Plätze vorreservieren können. Das Staatsbad bietet viele Angebote für unsere Seniorinnen und Senioren. Die Stadt sollte die vorhandenen Alternativen weiter fördern: Der Lindenhof muss unterstützt werden in seinen vielen Angeboten für Familien und Senioren. Auch den Hagener Hof, die Windmühle und das DGH in Thal können wir hierfür unterstützen. Ich möchte jungen Eltern ein Willkommens- und START Paket schicken, mit allen Informationen von Anmeldung zur Kita bis zu Vereinen, von Infos zu Ärzten bis zur Unterstützung durch die zuständigen Ämter. Ich möchte die Begrüßung von Neubürgern wieder einführen. Auch sie bekämen ein Paket an Informationen. Wir freuen uns über Menschen, die hierherziehen, das sollten wir ihnen auch respektvoll zeigen und ihnen das Eingewöhnen erleichtern.

Wie möchten Sie die Ortsteile stärker einbinden und ihre Anliegen sichtbar machen?

Böhnke: Wichtig ist der Kontakt mit den Menschen in den Ortsteilen direkt, aber auch die Stärkung der Ortsbürgermeisterinnen und Ortsbürgermeister / Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher. Die Ortsteile dürfen nicht abgehängt werden in Sachen Kinderbetreuung, Schule und ÖPNV, um sie als attraktiven Wohnstandort zu etablieren. Gerade in den Ortsteilen muss auch das Vereinsleben und der Einsatz der Ehrenamtlichen gefördert werden, Räume für Jung und Alt vorgehalten werden.

Grages: Ich lebe selbst in einem Ortsteil und weiß, dass die Anliegen vor Ort manchmal andere sind als in der Kernstadt. Deshalb möchte ich als Bürgermeisterin regelmäßig Sprechstunden in unseren Ortsteilen anbieten und den direkten Austausch mit den Menschen, Vereinen und Feuerwehren suchen. Mir ist wichtig, nicht nur ins Rathaus einzuladen, sondern selbst vor Ort zu sein, zuzuhören und die Themen der Ortsteile frühzeitig in die Entscheidungen der Stadt einzubeziehen.

Muschter: Wir brauchen dringend bessere Busverbindungen, insbesondere am Wochenende, in alle Ortsteile. Zuverlässige, pünktliche Schulbusse mit ausreichend Sitzplätzen brauchen die Schüler. Wir schreiben das Jahr 2026 und das ist immer noch nicht möglich? Da müssen die Öffis stärker verpflichtet werden, so kann das nicht bleiben. Schüler sind unsere Zukunft, sie haben es verdient, ordentlich transportiert zu werden. Keine Verwaltung würde mit solchen Bussen ihren Betriebsausflug machen (dürfen). Ohne Bankautomat und ohne Einkaufsmöglichkeiten leiden unsere Ortsteile, da müssen wir unterstützen. Auch Bolzplätze und Sportmöglichkeiten müssen bleiben. Die Feldwege müssen wieder vernünftig werden. Die Straßenreinigung müssen wir verbessern. Ich möchte in den Ortsteilen einen mobilen Stammtisch anbieten, damit alle Mitbürger die Chance auf Gehör bekommen. Denn leider bekommen wir im Rat keinen Bericht der Ortsvorsteher, die uns die Anliegen näherbringen könnten. Die Ortsräte haben wenigstens ein Protokoll. Für alle: Kurze Wege zum Rathaus. Kein Frust mehr, das nix passiert.

Was kann Bad Pyrmont von Lügde lernen?

Böhnke: Torben Blome ist es als Bürgermeister gelungen, das Miteinander zu stärken und eine Kultur der zielgerichteten Zusammenarbeit zu etablieren. Das muss auch Ziel in Bad Pyrmont, gerade im Rahmen von politischer Diskussion sein, ein mehr Miteinander, als Gegeneinander und ein respektvoller Umgang untereinander!

Grages: Lügde zeigt, dass auch eine kleinere Kommune mit klaren Prioritäten und konsequenter Umsetzung viel bewegen kann. Besonders beeindruckt mich, wie geschlossen Stadt, Politik und weitere Akteure bei wichtigen Themen nach außen auftreten und damit ein gemeinsames Ziel verfolgen. Diese Einigkeit schafft eine positive Außenwirkung und hilft dabei, Projekte voranzubringen. Davon können wir in Bad Pyrmont lernen – und gleichzeitig sollten beide Städte ihre unterschiedlichen Stärken nutzen und bei Wirtschaft, Tourismus, Mobilität und regionaler Entwicklung noch enger zusammenarbeiten.

Muschter: Lügde macht unheimlich viel für seine Vereine in besonderer Form: als ich die arche- Kammermusik übernommen habe, bot Lügde gerade einen Kurs über ‚Vorstand im Verein‘. Der war rappelvoll, auch von Pyrmontern. Dieses Jahr gab es die Veranstaltung ‚Versicherung im Verein‘, insbesondere wie man sich auch als Verkehrsverein absichert, was ein Sportverein braucht, wann ist ein erweitertes Führungszeugnis im Verein nötig? Das sind essentielle Kenntnisse für Vereinsvorstände. So etwas brauchen wir hier auch, am besten als feste Anlaufstelle, damit unsere Vereine nicht so allein gelassen werden. Vor allem aber bei Anträgen zur Förderung, da müssen wir dringend helfen, denn das entlastet die Vereine, aber auch die Stadtkasse, wenn die Vereine Landkreis- oder überregionale Fördergelder bekommen.

Morgen geht es weiter mit dem Themenkomplex: „Kronkrete politische Schwerpunkte“ 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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